Trolle gibts wirklich - ist so

Die Zahlungsaufforderung

Von 1. April 2019 No Comments

Melange

Der kleine Troll polierte fröhlich die silbernen Außenspiegel seines alten Escort. Heute war der große Tag gekommen. Mit einem flotten Wisch entfernte er Chipskrümel von den Stoffsitzen, mit den Fingernägeln pulte er eine verhärtete Schicht Hähnchensoße vom Armaturenbrett. Das Kondom, das er im Handschuhfach fand, konnte er nicht zuordnen. War vermutlich von Ronny übrig geblieben, als der sich den Escort für einen Sonntagsspaziergang mit Gabi ausgeliehen hatte.

Der kleine Troll drehte den Schlüssel um und drückte auf die Tube wie ein kleiner Weltmeister. Seine Höhle verschwand schnell hinter einer dichten Staubwolke am Horizont. Jetzt hol ich alles aus der Kiste raus, dachte sich der kleine Troll. Das Adrenalin schoss ihm in die Spitzen seiner Warzen. Im Straßengraben stand ein verrosteter Herd, die Ofentür halb aus den Angeln. Da blitzte es plötzlich.

Erschrocken drehte der Troll sich um. War er geblitzt worden?

Das war doch gar keine Gefahrenstelle hier, sagte er. „Das ist doch überhaupt gar keine Gefahrenstelle gewesen.“ Er ging vom Gas, bremste dann schließlich, hielt an und drehte um.

Tatsächlich: ein Blitzer, als verrosteter Herd getarnt.

Alles im Troll zog sich schlagartig zusammen. Das würde eine fette Rechnung vom König geben. Viel schlimmer: Der König würde ja sofort wissen, dass er es gewesen war, der geblitzt wurde. Hätte er seinen Escort doch bloß nicht von der dicken Schlammschicht befreit. Geknickt, den Kopf gesenkt und eine Krokodilsträne weinend fuhr der kleine Troll weiter. Kopf hoch, sagte er sich, diese Träne hat schon lange darauf gewartet, endlich geweint werden zu dürfen.

Der dicke rechte Fuß vom kleinen Troll drückte das Gaspedal gefährlich tief nach unten. Als sich der Escort mit dem kleinen Troll drin einem marmornen Pferdekopf am Straßenrande, installiert auf einem japanischen Sockel aus betonierten Fischgräten, verdächtig näherte, blitzte es plötzlich erneut.

Noch ein Blitzer!

Genervt fuhr der Escort immer schneller. Jetzt wird der König aber gierig, dachte der Troll. Seine Spazierfahrt war ihm gründlich verdorben worden. Ihm stieg die Galle hoch. Als die Tachonadel bei 140 km/h stand und nicht mehr weiterwachsen wollte, näherte sich der Troll verdächtig einem Amtsherrn des Königs.

Dieser lag nackt im Graben. Ihm war vom König selbst befohlen worden, einen Blitzapparat zu schlucken und, ein Lasergerät zwischen Ober- und Unterkiefer fixiert, mit halboffenem Mund im Graben zu verharren. Zur Tarnung hatte er einen Haselnussstrauch auf den Kopf geschnallt bekommen.

Der kleine Troll erblickte ihn im letzten Moment. Doch war es bereits zu spät?

 

Sag doch auch mal was.

© 2019 Gustav Beyer