Trolle gibts wirklich - ist so

Die Inspektion

Von 31. März 2019 No Comments

Höhle

Der kleine Troll putzte fröhlich einen Edelstein in seiner Höhle. Heute war der große Tag gekommen. Er schob den Stapel Pizzakartons munter pfeifend in eine hintere Ecke der Höhle. I was made for lovin‘ you, baby, plärrte es aus seinen Kopfhörern. Er blieb mit seinem dicht behaarten rechten Fuß an einigen zusammengepappten Tortilla-Chips kleben. Die waren noch vom Bierabend mit Ronny und Micha. Doch nicht lange, und der Wohnbereich glänzte.

Der kleine Troll lugte aus dem Fenster. War der König schon zu sehen mit seinem amtlichen Gefolge? Nervosität.

Er ging ins Bad. Mit einem kleinen Ast zog er wehmütig einen lange gewachsenen Popel aus seiner Nase und entsorgte ihn in den Mülleimer unter dem Waschbecken. Er sprühte seinen ganzen Körper mit Deo ein, jede Haarspitze war von einem schimmernden Deofilm benetzt. Gerade wollte er seine Zahnbürste suchen als es plötzlich am Höhleneingang klopfte.

Der König!

Alles im Troll zog sich schlagartig zusammen. Die jährliche Inspektion. Zitternd wackelte er auf die Tür zu. Doch… die Hose! Er schlug seine Hand vor die Stirn. Da war doch was! Er hatte sich so lange auf heute vorbereitet. Aber wo hatte er seine Hose hingelegt?

Es klopfte erneut.

„Troll!“

Da, seine Hose. Die ledernen Träger zuknöpfend öffnete er die Tür. Verbeugung. Handkuss. Euer Majestät. Alles wie vorbereitet.

Der König schaute ihn nicht an. Sein Pferd schnaubte und nieste.

„Dann wollen wir mal sehen“, sagte der König und wies seine Männer an: „Nun denn: Seht!“

Wortlos betraten die Männer die Höhle des Trolls. Der schwitzte.

Leistungsminderung von Amts wegen bei Feststellung mangelhafter Lebensführung oder Wohnqualität mit Ausbaupotential, hieß es.

Ein Mann rümpfte plötzlich die Nase, ein zweiter räusperte, ein dritter schüttelte sich. „Euer Majestät, das müsst Ihr Euch ansehen!“

Der König rutschte edel sein Pferd hinab und schritt in die Höhle. Mit seinen diamantbesetzten majestätischen Fingern inspizierte er, Finger für Finger, die Sofaritze des kleinen Trolls. Seine Augenbrauen wuchsen und zogen sich zusammen. „Troll!“

Der kleine Troll blickte beschämt zu Boden, die Augen so glasig wie der Speichel, der ihm aus den Mundwinkeln lief.

„Troll! Wie erklärst du mir das hier?“

Sag doch auch mal was.

© 2019 Gustav Beyer